top of page

Reflektierter KI-Einsatz beim argumentativen Schreiben

In der Ausbildung Fachwissenschaft Französisch für Studierende im Studiengang Sek I werden kulturelle, literarische sowie sprachliche Kompetenzen vertieft. In den Modulen des 1.Studienjahrs liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem schriftlichen Ausdruck (z.B. kreatives Schreiben im Rahmen der literarischen Textanalyse; Argumentieren).


Nebst dem Thema der sinnvollen Nutzung von Übersetzungstools ist die Frage nach dem Einfluss von KI-Tools auf die Schreibkompetenz relevant: Wie kann man die Studierenden mit KI-Schreibtools bei der Entwicklung kritischen Denkens unterstützen? Wie kann die Schreibkompetenz gestärkt werden? Allgemein: Wie soll der reflektierte Umgang mit KI-Tools gefördert werden? Diese kleine Übung soll zur Sensibilisierung beitragen.


Eckdaten
Fachgebiet

Französisch (Sprachen, Fremdsprachen) 

Lehrformat

Lehrveranstaltung, Selbststudium   

Zeitrahmen

Mind. 2 Lektionen 

Zielgruppe

Studierende Fremdsprachen (vorzugsweise in den ersten Semestern) 

Assessment

Anteil im Portfolio; formatives Feedback  

Mögliche Tools

KI-Sprachmodelle wie ChatGPT 

Lernziele

Die Lernenden  

  • entwickeln die Fähigkeit, KI-Schreibtools als Instrumente zur Förderung kritischen Denkens, zur Weiterentwicklung der eigenen Schreibkompetenz und zur Stärkung metakognitiver Fähigkeiten verantwortungsvoll und reflektiert einzusetzen. 

  • können KI-generierte Texte analysieren und kritisch bewerten (z. B. hinsichtlich Argumentationslogik, Kohärenz, sprachlicher Angemessenheit und Adressatenbezug). 

  • können argumentative, strukturelle und sprachliche Mittel in eigenen und KI-generierten Texten vergleichen und beurteilen. 

  • können Stärken und Schwächen von KI-Textentwürfen im Vergleich zu eigenen Entwürfen reflektieren. 


KI-Kompetenzrahmen

Dieser Use Case zahlt in die folgenden Dimensionen des St.Galler KI-Kompetenzrahmens ein:

Evaluieren, Gestalten & Anwenden
Evaluieren, Gestalten & Anwenden
Ablauf

1. Semester: Schreiben eines Argumentationsaufsatzes 

  • Ideensuche ohne/mit KI, Vergleich der Ergebnisse, Diskussion  

  • Verfassen eines Argumentationsaufsatzes: Textproduktion ohne KI (in class writing) 

  • Überarbeitung mit KI (Aufzeigen der Vorgehensweise und Gedanken in Kommentarfunktion) 

  • Reflexion der Ergebnisse: Welche Tools wurden genutzt? (z.B. DeepL, ChatGPT) Zu welchem Zweck? (z.B. Korrekturen, Erweiterung Wortschatz, Ideensammlung), Vergleich der Textvarianten, Diskussion über Nutzen und Risiken der Verwendung von KI-Tools.  


2. Semester: Überarbeiten eines Argumentationsaufsatzes  

  • Analyse eines einfach strukturierten, KI-generierten Argumentationstextes: sprachliche / strukturelle / argumentative Mittel identifizieren, beurteilen, vergleichen (leicht zu veranschaulichen beispielsweise durch verschiedenfarbige Markierungen im Text, z.B.:  

 «Soulignez ce qui vous plaîtdérange et ce qui selon vous devrait être amélioré, ajouté ou modifié. (p.ex. forme :  Quels moyens linguistiques ou argumentatifs sont utilisés ; contenu : Les arguments sont-ils convaincants, originaux, banals ?...) Vous pouvez aussi insérer des commentaires. »  
  • Sich den Text ‘zu eigen machen’, kritisch beurteilen: Passt der Textentwurf zu mir als Autor:in, zu meiner Schreibintention?  Text umschreiben / anreichern mit Beispielen aus Unterricht / persönlichen Beispielen, eigener Meinung,  z.B:

« À partir de ce modèle, rédigez votre propre texte en intégrant votre point de vue personnel et en créant un lien avec les contenus de notre module (p.ex. rapport avec le film ou avec la lecture, exemples concrets).  Marquez les passages modifiés ou insérés avec une couleur. » 
  • Evtl. sprachlich überarbeiten mit KI 


Vorteile

1. Semester:

  • Der Schreibprozess klar strukturiert: Ideensuche, eigenständige Textproduktion, Überarbeitung und Reflexion.

  • Die anfängliche Textproduktion ohne KI kann die eigenständige Denk- und Argumentationsleistung stärken und eine authentische Grundlage für spätere Überarbeitungsschritte schaffen. 

  • Die explizite Diskussion über verwendete Tools, deren Funktionen und Zwecke fördert Transparenz und differenzierte Nutzung.  


2. Semester:

  • Da KI-generierte Texte häufig strukturell klar, aber argumentativ eher konventionell sind, eignen sie sich gut, um sprachliche, strukturelle und argumentative Mittel systematisch zu identifizieren und zu bewerten. 

  • Die Arbeit mit farblichen Markierungen oder Kommentaren ist ein einfaches Mittel, um ein differenziertes Textbewusstsein zu fördern und Textqualität sichtbar zu machen.  

  • Durch Vergleich, Überarbeitung und kritische Aneignung sollte deutlich werden, dass die Verantwortung für Argumentationsqualität, inhaltliche Richtigkeit und kommunikative Passung bei den Studierenden bleibt. 

Nachteile

  • Die vorgestellte Sensibilisierungsaufgabe ist zeitlich sehr beschränkt. Eine einmalige Durchführung genügt nicht, um nachhaltige Schreib- und Reflexionskompetenzen aufzubauen. Vielmehr erfordert dies ein regelmässiges Üben sowie vielfältige Schreibanlässe – mit und ohne KI-Unterstützung – um eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreibprozess zu fördern. 

  • Aufwand für Korrektur und Feedback: Die Begleitung von Schreibprozessen ist zeitintensiv, gerade wenn differenziertes, entwicklungsorientiertes Feedback angestrebt wird. Dieser Aufwand kann jedoch teilweise aufgefangen werden, z.B. durch strukturiertes Peer-Feedback, gezielt eingesetztes KI-Feedback oder angeleitete Selbstreflexion der Studierenden.  

Beispiel einer studentischen Lösung

bottom of page