KI-gestütztes, kriterienbasiertes Feedback zu studentischen Seminararbeiten in der Ausbildung von Lehrpersonen
- Robert Hilbe
- 31. März
- 3 Min. Lesezeit
Im Studiengang Sekundarstufe I der Pädagogischen Hochschule St.Gallen dienen Seminararbeiten dazu, wissenschaftliche Schreibkompetenzen von Beginn des Studiums an systematisch aufzubauen. Zentrales Element ist ein individuelles, kriterienbasiertes Feedback durch Dozierende, das den Studierenden Orientierung für die Weiterentwicklung ihrer Texte gibt. Dieses Feedback ist didaktisch wertvoll, aber personell sehr zeitaufwändig.
Der Use Case zeigt, wie ein KI-Assistent formatives Text-Feedback generieren kann, das Studierende beim selbstgesteuerten Überarbeiten unterstützt und Feedbackprozesse ergänzt, ohne die pädagogische Verantwortung der Lehrenden zu ersetzen.
Voraussetzungen
Zugang zur bereitgestellten KI-Anwendung
Information der Studierenden und Schulung der Dozierenden: Grundlegende Einführung in Kriterienraster und Feedbackverständnis
Eckdaten
Fachgebiet | Lehrer:innenbildung, Wissenschaftssprache, Schreibdidaktik (Übertragbar auf weitere Studiengänge und textbasierte Leistungsnachweise) |
Lehrformat | Der Use Case ist im Modul «Wissenschaftssprache» zu Beginn des Masterstudiums für Lehrpersonen der Sekundarstufe I verankert. Ziel des Moduls ist der Aufbau und die Vertiefung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen. Der KI-Assistent ist dabei didaktisch integriert und wird in unterschiedlichen Lehrformaten eingesetzt:
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Zeitrahmen | Über mehrere Wochen im Rahmen der Seminararbeit |
Zielgruppe | Studierende der Sekundarstufe I zu Beginn des Studiums, Dozierende und Schreibberatende |
Gruppengrösse | Pilotdurchführung im Frühjahrssemester 2026 mit Studierenden des Moduls «Wissenschaftssprache» (ca. 40 Studierende) |
Assessment | Der Use Case hat eine ausschliesslich formative Funktion und dient dem gezielten Aufbau wissenschaftlicher Schreibkompetenzen im Rahmen der Seminararbeit. Ein direktes Assessment oder eine Bewertung des KI-Einsatzes findet nicht statt, ebenso erfolgt keine automatisierte Beurteilung durch die KI. Der Lerngewinn zeigt sich indirekt in der Qualität der überarbeiteten Seminararbeit, die gemäss dem bestehenden Kriterienraster von den Dozierenden beurteilt wird. |
Mögliche Tools | Lokales Large Language Model auf hauseigenem Server sowie GPT von OpenAI (für Szenario 1) |
Lernziele
Die Studierenden können
eigene wissenschaftliche Texte entlang vorgegebener Kriterien überarbeiten und sprachlich, strukturell sowie argumentativ verbessern
KI-basiertes Feedback gezielt nutzen, um Stärken und Schwächen ihres Textes zu erkennen und konkrete Überarbeitungsschritte abzuleiten
KI-Feedback mit eigenen Einschätzungen und gegebenenfalls mit Rückmeldungen von Dozierenden kritisch vergleichen und begründet übernehmen, anpassen oder verwerfen
die Rolle von KI im wissenschaftlichen Schreiben differenziert beurteilen
KI-Kompetenzrahmen
Dieser Use Case zahlt in die folgenden Dimensionen des St.Galler KI-Kompetenzrahmens ein:

Ablauf
Der Use Case umfasst drei Einsatzszenarien eines KI-Assistenten für kriterienbasiertes Text-Feedback, die je nach didaktischem Ziel unterschiedlich eingesetzt werden.

Szenario 1: Selbstgesteuertes Überarbeiten Studierende nutzen den KI-Assistenten eigenständig, um zu ihrer Seminararbeit formatives, kriterienbasiertes Feedback zu erhalten. Sie können dieses Feedback mehrfach abrufen und gezielt für die Überarbeitung ihres Textes nutzen. Der Fokus liegt auf dem Aufbau wissenschaftlicher Schreibkompetenzen durch selbstgesteuertes Lernen ohne frühzeitiges Bewertungssetting. |
Szenario 2: Dialogisches Feedback Das KI-Feedback dient als Grundlage für ein Feedbackgespräch zwischen Studierenden und Dozierenden. Gemeinsam werden Rückmeldungen eingeordnet, ergänzt oder korrigiert und konkrete Überarbeitungsschritte vereinbart. Die KI unterstützt hier die Strukturierung des Feedbackprozesses und fördert das Verständnis der Bewertungskriterien. |
Szenario 3: KI-gestützte Feedbackvorbereitung Dozierende verwenden den KI-Assistenten zur Voranalyse von Seminararbeiten. Das KI-Feedback dient als Orientierung und wird durch das fachliche Urteil der Dozierenden ergänzt. Die Studierenden werden transparent über den unterstützenden KI-Einsatz informiert. Ziel ist eine effizientere und zugleich konsistente Feedbackpraxis. |
Alle Szenarien werden durch kurze Reflexionsaufgaben ergänzt, in denen die Studierenden den Nutzen und die Grenzen des KI-Feedbacks kritisch einschätzen.
Vorteile
Zeitliche Entlastung von Dozierenden
Mehr und früheres individuelles Feedback für Studierende
Förderung von Selbststeuerung und Schreibkompetenz
Konkreter Beitrag zur AI Literacy durch reflektierte Nutzung
Nachteile
Qualität und Angemessenheit des Feedbacks müssen überprüft werden
Gefahr unkritischer Übernahme von KI-Rückmeldungen
Datenschutz und Transparenz gegenüber Studierenden sind zentral
Weitere Aspekte
Der Use Case verbindet technologische Innovation mit didaktischer Verantwortung. KI wird nicht als Ersatz, sondern als Lern- und Reflexionsinstrument eingesetzt. Der Use Case eignet sich besonders zur Diskussion von Rollenverschiebungen zwischen Mensch und KI in der Hochschullehre.


